We got the Power!

Unser Kleinkraftwerk an der Lützelmurg

Während ich diesen Text schreibe – natürlich an meinem Computer, der Strom verbraucht, leuchtet neben mir eine Tischlampe. Daneben hängt gerade mein Handy am Strom. Etwas weiter klingelt das Telefon, welches wegen Anrufbeantworter und weiterer Funktionen ständig unter Strom steht. Der Fernseher steht auf Standby. Beim Internet-Router flackert das Mäusekino in verschiedenen Farben. In der Küche läuft gar nichts ohne Strom und ich freue mich schon auf den heissen Kaffee, der auf Knopfdruck in die Tasse läuft.
Kurz: Am Strom hängt, zum Strom drängt doch alles?
Das scheint mir eine ziemlich realistische Einschätzung zu sein.
Eigentlich ist das Prinzip ganz einfach und uralt: Vorne fliesst Wasser, Wind, Sonne oder im schlechteren Fall weniger saubere Energie durch eine Turbine, welche einen Generator antreibt und Simsalabim – kommt als Strom hinten wieder hinaus. Wie funktioniert das in Häuslenen? Höchste Zeit also, um der Sache einmal genauer auf den Grund zu gehen.
Herr Lutz, dem das Kraftwerk an der Lützelmurg bei Aawangen gehört, hat sich freundlicherweise dazu bereit erklärt mir die Anlage zu zeigen und zu erklären. Da bin ich mal gespannt wie eine Starkstromleitung.
Das Kraftwerk an der Lützelmurg
Ungefähr 800 Meter oberhalb des Kraftwerks befindet sich ein Wehr, an dem das Wasser von der Lützelmurg für das Kraftwerk abgezweigt wird und unterirdisch durch eine Rohrleitung in Richtung Kraftwerk fliesst. Ein Stahlrechen filtert grosse Schwemmteile, welche die Turbine zerstören könnten, heraus.
Als zukünftige Investition ist hier eine bessere Regulierung der Restwassermenge mit zusätzlicher Fischtreppe geplant.
Ab hier bis zur Turbine beträgt das Gefälle um die zehn Meter.
Weiter fliesst das Wasser bis zum Feinfilter ca. 100 Meter unterhalb des Grobfilters, der sich auf der anderen Weg Seite befindet. Darin werden kleinere Abfälle bis ungefähr 20 mm Durchmesser herausgefiltert. Automatisch wird Unrat mittels eines hydraulischen Rechens regelmässig heraus gefischt, damit der Filter nicht verstopft und so den Wasserfluss hemmt. Schliesslich hängt die Leistung nicht nur von der Wassermenge, sondern auch von der Fallhöhe und damit verbunden dem Wasserdruck ab.
Wasserkraftwerke haben einen sehr hohen Wirkungsgrad. Das heisst, bis zu 90% der nutzbaren Wasserkraft werden in Energie umgewandelt.
Filterrechen
Von dem zweiten Filterrechen (Wasserschloss) strömt das Wasser durch die 80 cm dicke Druckleitung unterirdisch weiter zur Turbine. Das noch teilweise sichtbare Betonrohr, das dem Weg entlang führt, ist veraltet und hat keine Funktion mehr. Es zeugt davon, dass die Wasserkraft hier bereits sehr früh genutzt wurde.
Direkt an der Lützelmurg, unterhalt der Brücke, befindet sich das Maschinenhaus mit Turbine und Generator. Hier können maximal 75kWh Strom pro Stunde erzeugt werden. Als Vergleich: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit elektrischem Kochherd, Elektroboiler und Waschmaschine verbraucht pro Jahr um die 7‘500KW. Somit können im Idealfall um die 90 Häuser mit dem Strom aus diesem Kraftwerk versorgt werden. Letztes Jahr 2013 wurde hier 276‘523 kWh sauberer Strom erzeugt und in das Netz der Elektra Häuslenen eingespiesen. Dies entspricht knapp 10 % des Verbrauchs von Häuslenen und Aawangen. Bei meinem Besuch wurde bei einem 2cm hohen Wasserstand 31% der möglichen Leistung erzeugt.
Je nach Wassermenge werden Turbinen automatisch zu- oder abgeschaltet, damit stets der ideale Wirkungsgrad erreicht wird. Apropos Wirkungsgrad: Im Gegensatz zur älteren Generation von Turbinen und Generatoren, welche am Wegrand, zu besichtigen sind, erreicht die aktuelle Anlage gerade bei niedrigem Wasserstand eine erheblich bessere Leistung.
Turbine
Ein solches Wasserkraftwerk ist ständig mit neuen Investitionen infolge Abnützung, undichter Druckleitung oder neuen Auflagen wie z.B. der kostspieligen Fischtreppe verbunden. Deshalb wird dieses Kraftwerk unter anderem auch vom Thurgauer Naturstrom (von der Region in die Region) unterstützt. Es sind schon viele Strombezüger in Häuslenen, welche via Elektra Häuslenen mit einem bescheidenen Mehrpreis diesen sauberen atomfreien Strom beziehen.
alte Turbine